Qualität statt Quantität

Südwest-Presse, Haigerloch, 04.11.2010

Qualität statt Quantität

Stetten. Seit 42 Jahren gibt es mit 26 Mitgliedszünften den „Närrischen Freundschaftsring Neckar-Gäu“. Beim Herbstkonvent in Stetten wurde eine Lanze für die Gestaltung des Fasnachtsbrauchtums im Ort gebrochen.

Zunftrat Gerhard Henle und Vize-Zunftmeister Franz Paul Stocker vom Narrenverein „Salzschlecker“ freuten sich im vollbesetzten Sportheim über die Anwesenheit der Abordnungen aus den 26 Mitgliedszünften zum diesjährigen Herbstkonvent. Dieser sollte in diesem Jahr vor allem den Sinn eines solchen Zusammenschlusses, dessen Aufgaben und Ziele sowie die Brauchtumskommission und die Jugendarbeit, in den Vordergrund stellen.

Ringpräsident Karl-Heinz Schacht von der Narrenzunft Felldorf hatte sich wegen des inzwischen in vielen Narrenzünften vollzogenen Generationswechsels der Geschichte sowie den Aufgaben und Zielen eines solchen Narrenverbundes gewidmet. Gegründet wurde der Freundschaftsring im November 1968 von den Zünften Bierlingen, Dettingen, Ergenzingen, Eutingen, Horb, Untertalheim und Weitingen. Nachdem die acht Gründungszünfte zehn Jahre lang unter sich waren, wurde beschlossen, weiteren Zünften die Pforten zu öffnen, so wurden 1980 die Zünfte aus Ahldorf, Empfingen, Felldorf, „Salzschlecker“ Stetten/Haigerloch und Wurmlingen aufgenommen.

Weitere Aufnahmen folgten 1982 mit Bad Imnau, Betra und Hirschau, später mit Bühl, Salzstetten, Seebronn, Wolfenhausen, Altheim, Bildechingen, Nordstetten, Rohrdorf, Schwalldorf und Vollmaringen. Um das örtliche, schwäbisch-alemannische Fasnetsbrauchtum zu fördern und zu pflegen wurde bereits vor 30 Jahren eine Brauchtumskommission ins Leben gerufen, so der Ringpräsident.

Brauchtumsmeister Jakob Holocher von der Narrenzunft Eutingen war es, der angesichts der Inflation der Entstehung neuer Vereine und Zünfte und ständig neuer Narrentreffen seinen Kollegen ins Gewissen redete und „Qualität statt Quantität“ forderte. „Die Pflege des Fasnetsbrauchtums im jeweiligen Ort muss dabei zwischen dem Dreikönigsttag und Mitternacht des Fasnachtsdienstags an erster Stelle stehen“, so Holocher. Dazu gehört für den Brauchtumsmeister das Stellen eines Narrenbaumes, Schul- und Kindergartenkinderbefreiung mit Umzug und der Rathaussturm der Narren.

Aber auch das „Schnorren“, Sammeln von Speck und Eiern, Narrenpredigt, Narrengericht oder das „Schwärzen“ bedeuteten Traditionsgüter, welche im christlichen Jahresablauf verankert seien. „Das Feiern des althergebrachten Brauchtums in fasnächtlicher Freude muss generationsübergreifend wieder mehr Platz haben“. Dazu gehöre auch die Heranführung der Kindergarten- und Schulkinder an Brauchtum, Masken und Häs, so der Brauchtumsmeister weiter. So sollten auch neue Masken und Häser grundsätzlich vorher der Brauchtumskommission vorgestellt werden. Dies alles will der Freundschaftsring in einer Broschüre als Leitbild zusammenstellen.

Über die Jugendarbeit des Rings und besonders über die Jugendschutzbestimmungen bei Fasnachtsveranstaltungen referierte Nicole Schelhammer, Ringjugendleiterin von der Narrenzunft Wolfenhausen.

„Qualität statt Quantität in der Fasnet“ war auch der Tenor bei mehreren Workshops beim letztjährigen Herbstkonvent. Die Narrenzunft Wolfenhausen hat beim Maskenabstauben und beim Zunftball als Brauchtumsabend das Qualitätskonzept bereits umgesetzt. Auch die Narrenzunft Ergenzingen hat den jährlichen Brauchtumsabend auf maximal zweieinhalb Stunden Programm gekürzt.

Das nächste Ringtreffen findet im Jahr 2012 in Untertalheim statt. Vom 28. bis 30. Januar 2011 lädt die Narrenzunft Empfingen aus Anlass ihres 60-jährigen Jubiläums zu den Empinger Narrentagen 2011 mit Nachtumzug und Hohenzollern-Treffen in der Täleseehalle am Samstag, 29. Januar und großem Jubiläumsumzug am Sonntag, 30. Januar ein.

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